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Malta - Kap Verde 4.9.2009

 

4.9.2009 20:30

Freundschaftsspiel Malta – Kap Verde

Millenium Stadium



Nach dem 2:0-Sieg gegen Georgien galt es nun, sich mit den Fußballern der Kapverdischen Inseln zu messen. Der jüngste Erfolg der Maltesischen Auswahl schien Glaube an die Fußballerische Stärke aufkommen zu lassen, zumindest bei verschiedensten Buchmachern: nicht nur mein Arbeitgeber favorisierte die Heimmannschaft.

Die Anfahrt zum Stadion verlief ausnahmsweise mal völlig unspektakulär. Ich stieg in den richtigen Bus ein und als ich ausstieg, war das in der bereits eingetretenen Dunkelheit hell erleuchtete Stadion in Sichtweite – so verschönerte ein erhabener Anblick meinen 20-minütigen Fußweg durch eine Landschaft voller Ödnis.


Nichtmal 500 Zuschauer fanden sich ein – ein etwas traurige Kulisse. Der Block, dem die 2 Handvoll Supporter voranstehen, war spärlich gefüllt, sodaß es nichtmal zu erbaulichen „Malta“-Anfeuerungsrufen reichte. Doch die Fans hatten schlechter Stimmung vorgesorgt – mit gleich 4 Trommeln und einem Trompeter traten sie an. In Verbindung mit dem schlechten, langweiligen Spiel wäre mir das ewige Gedudel bekannter Fangesänge mächtig auf die Eier gegangen, doch zum Glück fand ich heraus, daß Jim Beam im Stadion verfügbar war.

Zwar gehört dieser nicht zu meinen besten alkoholischen Freunden und normalerweise ziehe ich ihm eine ganze Reihe anderer Alkoholika vor – doch angesichts meiner Bekanntschaft mit deutschen Stadien war das natürlich purer Luxus


Zum Spiel selbst ist schnell alles wichtige gesagt. 15. Minute Elfmeter, zack drin, 40. Minute zack, 2:0. Das 2. Tor habe ich nicht gesehen, da ich gerade neue Mische holte. Kap Verde drückte das ganze Spiel über und ließ Malta kaum mal gefährlich vors Tor kommen. Vielleicht kommen die Malteser mit der Favoritenrolle zuhause nicht zurecht, vielleicht ist die noch recht neue Nationallmannschaft der afrikanischen Inselgruppe stärker als sie eingeschätzt wird, oder vielleicht hatten Mifsud un Co einfach keine Lust. Ach ja, es waren offensichtlich Kap Verdische Zuschauer im Stadion. Zumindest hing eine Zaunfahne auf der gegenüberliegenden Tribühne mit "Cabo Verde"-Aufschrift und ein paar Menschen dahinter und drumherum.

In der 2. Halbzeit spürte ich mehr und mehr, wie sich mein Gesicht in Richtung Alkohol veränderte und ich versuchte, mein dämliches Grinsen soweit wie möglich zu unterdrücken. Direkt nach dem Spiel verließ ich das Stadion Richtung Buggiba, wo ein Kollege eines der seltenen maltesischen Punkkonzerte veranstaltete.

Wie es der Zufall so will, gestaltete sich die etwa 15-minütige Taxifahrt recht interessant. Ich kam mit dem Taxifahrer über – na was wohl – Fußball ins Gespräch und konnte der Unterhaltung glücklicherweise so gerade noch folgen. Es stellte sich heraus, daß mein Chauffeur vor ein paar Jahren in irgendeiner recht wichtigen Funktion bei den Hamrun Spartans fungiert hatte. Diese wurden zuletzt Anfang der 90er-Jahre Meister und sind frisch aus der ersten Liga abgestiegen.

Er erzählte, daß ein guter Teil des Etats jedes Vereins vom Präsidenten bestritten wird. In dieser Hinsicht sehe es bei den Spartans derzeit nicht so gut aus. Zudem hätten sie in letzter Zeit viel Geld dafür aufgewendet, ein eigenes Stadion zu bauen. Daß sie ihre Heimspiele in der eigenen Stadt austragen, macht sie durchaus zu etwas besonderem.

Als ich ihm erzählte, daß ich in der Nachbarort Pieta wohne, reagierte er reserviert. Die Spartans haben, erzählt er, eine traditionelle Rivalität zu den Pieta Hotspurs, die ebenfalls in der zweiten Liga spielen. Oder momentan eher nicht spielen.

„Ich hoffe, wir rücken nicht in die erste Liga nach. Wir würden definitiv direkt wieder absteigen, darauf sind wir nicht vorbereitet.“ Der Hintergrund dieser Info sei nun kurz erläutert: vor einigen Wochen kam heraus, daß die Vittoriosa Stars, als Tabellenzweiter in die 1. Liga aufgestiegen, offenbar bei einem Spiel der letzten Saison Teile der gegnerischen Mannschaft bestochen hatten. Daraufhin wurden sie, obwohl die Saison bereits begonnen hatte, kurzerhand in die zweite Liga rückversetzt. Soweit so gut, doch gleichzeitig kam der gleiche Vorwurf gegen den FC Marsaxlokk auf.

Da hatte der Fußballverband die Faxen wohl dicke und der Spielbetrieb wurde bis auf weiteres ausgesetzt. Vor ein paar Tagen nun wurde die Entscheidung getroffen, daß Marsaxlokk ebenfalls in der zweiten Liga weiterspielen muß. Doch bevor die Spiele weitergehen können, muß dieses Urteil bestätigt werden, außerdem stellt sich die Frage, wer in die BOV Premier League nachrücken darf und auch will. Die Hamrun Spartans scheinen, wie der Taxifahrer andeutete, einer erneuten Teilnahme an der höchsten Spielklasse eher abgeneigt. Vielleicht kommen ja die Pieta Hotspurs in Frage, immerhin sind sie als Drittplatzierter nur knapp am Aufstieg vorbeigerutscht. Ebenfalls in die zweite Liga abgestiegen ist Msida/Saint Joseph (Msida beginnt zirka 30 Meter vor meiner Haustür). Wie auch immer, ich bin gespannt, wann und mit wem in welcher Liga der Spielbetrieb fortgesetzt wird.

Wem das alles bereits etwas durcheinander erscheint, dem habe ich eine weitere Kuriosität zu berichten. Am 20. September wird auf jeden Fall wieder Ligafußball gespielt: ob auf Malta steht noch nicht fest, auf jeden Fall aber in Malta. Ich habe gut gestaunt, als ich feststellte, daß Gozo ein eigenes Ligasystem hat. Gozo ist eine ungefähr 30.000 Einwohner zählende Insel und mit einem schnellen Boot nur einige Minuten von der Hauptinsel entfernt. Dennoch hat das Inselchen nicht nur eine 1. und eine 2. Spielklasse, sondern diese werden von einem eigenen Fußballverband durchgeführt. Das muß man sich mal vorstellen: Malta hat nur 400.000 Einwohner, aber 2 Fußballverbände.

Doch damit der Verwirrung nicht genug: dem ganzen die Krone auf setzt der Fakt, daß der Gozotanische Fußball nicht nur aus den 2 genannten Ligen besteht, sondern es darüberhinaus einen FC Gozo gibt, der an der Maltesischen Meisterschaft teilnimmt. Derzeit spielt er drittklassig, war aber in der Saison 1999/2000 sogar ein Jahr in der ersten Maltesischen Liga.

Da das alles doch recht kompliziert ist für mein einfaches Deutsches Fußballgehirn, fragte ich einen maltesischen Kollegen nach Erklärungen. Dieser konnte mir immerhin bestätigen, daß alles, was ich gerade geschildert habe, tatsächlich so stimmt. Aus welchen Spielern sich der FC Gozo genau zusammensetzt, konnte er mir auch nicht sagen. Er vermutet aber, daß Gozo ein Allstar-Team derjenigen ist, die bei einem Gozotanischen Verein gemeldet sind und irgendeinen darüberhinausgehenen „Beweis“ dafür erbringen können, Gozotaner zu sein – so eine Art Nationalmannschaft also, nur in kleiner. Sollte aber ein Gozotanischer Spieler so gut sein, daß er für die Maltesische Auswahl spielen kann, ist das wiederum kein Problem.

Der Ligafußball ist auf jeden Fall interessanter und vielschichtiger als ich angenommen hatte. Es gibt noch viel zu entdecken. Außerdem werde ich dem skandalösen Umstand nachgehen, daß der Gozotanische Fußballverband keinen Verein zu den UEFA-Turnieren entsendet.

Das Punkkonzert war übhrigens auch super. Headliner war die Band Hausvabot und es bescherte mir nicht nur jede Menge Spaß und Fun, sondern endlich auch meinen zweiten Filmriß nach fast 2 Monaten auf Malta.

13.9.09 04:02

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