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Tarxien - Birkirkara und Sliema - Qormi

 

30.09.2009

Tarxien Rainbows – FC Birkirkara

Sliema Wanderers - Qormi



An diesem schönen und heißen Sommerabend standen (wie fast immer) 2 Spiele der BOV Premier League auf dem Programm. Am Tag zuvor sorgte nicht die sponsorende Bank of Valetta für Furore, sondern der Fußballklub derselben Stadt.

Leider fand das Haßderby zwischen dem FC Valetta und dem FC Floriana ohne mich statt, da ich arbeiten mußte. Valetta hat zwar nur rund 6000 Einwohner, ist aber die Hauptstadt (und nebenbei die einzige Stadt mit einer richtigen Shoppingmeile). Floriana ist die Nachbarstadt, die von den Hauptstädtern anscheinend recht despektierlich behandelt wird – als Hauptstadt ist man schließlich der einzig legitime Repräsentant des Landes und wenn dann der Nachbar daherkommt und meint, er wäre genausogut, präsentiert man das überheblich-müde Lächeln, das man für solche Zwecke einstudiert hat. Aber daß der kleine Nachbar sich dann herausnimmt, den FC Valetta fußballerisch teilweise zu überflügeln, und mit 25:19 deutlich mehr Meistertitel innezuhaben, geht mal gar nicht. Höchste Zeit also für Valetta, die Verhältnisse zurechtzurücken.


Dies geschah dem FC Valetta recht eindrucksvoll. Es setzte eine deftige 0:6-Klatsche für Floriana. Der FC Valetta, der zuvor sogar in der 1. Euro-League-Quali-Runde das isländische Keflavik ausgeschaltet hatte, versprüht nunmehr samt dem alternden Superstar Jordi Cruyff nicht nur den angemessenen internationalen Flair, sondern zieht auch national alle Aufmersamkeit auf sich.


Dementsprechend fuhr ich diesmal von Valetta aus zum Stadion. Da mehrere Buslinien in die Nähe des Stadions fahren, fragte ich erneut einen Busfahrer nach dem National Stadium. In diesem werden fast alle Erstligaspiele ausgetragen. Eine Antwort erhielt ich zwar nicht, doch etwa 5 Fahrgäste fingen daraufhin auf maltesisch eine lebhafte Diskussion darüber an, ob bzw. wie ich zum Stadion gelangen könne. (Dazu muß man wissen, daß in Valetta die Busse starten und demnach noch genügend Zeit war, bis der Bus losfuhr). Einmal mehr bestätigte sich der verblüffende Freundlichkeitsunterschied zwischen Angestellten und Passanten.

Ein älterer Mann nahm sich meinem Anliegen an und bedeutete mir, daß ich diesen Bus nehmen könne. Stolz erzählte er vom gestrigen glorreichen Sieg und der Demütigung des Nachbarn und als wir durch Floriana fuhren, zeigte er aus dem Fenster. Ich stimmte seiner Bemerkung „Look, what an ugly place – pfff“ spontan zu. Meine Vermutung, daß dies sicher weniger an den Einwohnern, sondern eher an der Geldervergabe der politischen Institutionen liegt, behielt ich lieber für mich. Den Rest der Fahrt über erzählte er mir von seinen 3 Jahren in Mühlheim an der Ruhr (wie sauber es doch in Deutschland ist) und zählte mir begeistert einen 70er-Jahre-Spieler nach dem anderen von „Bayern Munich“ auf. Ausführliche Antworten ließ er nicht zu, er war viel zu aufgeregt, einen Deutschen zu treffen. Entsprechend sagte ich einfach hin und wieder „Yes, I know Franz Beckenbauer“ oder auch „Yes, I know Gerd Müller“.

Zum Stadion kam ich dann leider erst 15 Minuten nach Anpfiff, sodaß ich den Führungstreffer für Birkirkara verpaßt habe. Birkirkara ist die Stadt, in der ich arbeite und liegt im Landesinneren. Obwohl mit knapp über 20.000 Einwohnern die größte Stadt, ist es kein Ort, in dem man gern eine Nacht verbringt. Wenn ich spätabends von der Arbeit nach Hause laufe, ist die Atmosphäre wohl mit dem Prädikat „tot“ am besten umschrieben. Tarxien ist ebenfalls eine relativ große Stadt, die ich bislang nicht kennengelernt habe. Sie liegt ca. 10 km südwestlich meines Wohnorts hat hat ebenfalls keinen Meereszugang.

Anders als beim Länderspiel gab es Blocktrennung und ich landete im Bereich der Regenbogen. Diese hatten eine riesige und eine kleine Zaunfahne auf den ansonsten ungenutzen Kurvenrängen platziert. Ein paar riesige Schwenker standen auch herum, doch außer zum Einlaufen der Mannschaften zur 2. Halbzeit sah ich sie nicht im Einsatz.

Von Birkirkara vernahm ich nur eine mittelgroße Schwenkfahne und einmal spärliche Anfeuerungsrufe. Gesänge im eigentlichen Sinn gab der gutgefüllten Regenbogenblock auch nicht von sich, dafür aber zeitweise stakkatomäßige Anfeuerungsrufe. Verwundert verstand ich in diesen lange Zeit „Kara!“, doch später deutete ich die Rufe in „Come on!“ um.

Das Spiel selbst war langweilig. Tarxien versuchte, zu drücken, doch kam nicht zu Torchancen, und Konter ließen sie auch nicht zu. In der 70. Minute trafen sie dann doch ins Tor, doch aus irgendeinem Grund wurde es nicht gegeben. Die Anhänger schienen spätestens von da an entmutigt und kurz vor Schluß machte Birkirkara den Sack zu; das Spiel endete 2:0 für touristenarme Stadt. Auch ich hatte schon seit der Pause mit dem Spiel abgeschlossen, da ich mich für keines der Teams erwärmen konnte. Voller Hoffnung stellte ich fest, daß sich der Block während der 2. Halbzeit mehr und mehr mit schwarzgelb füllte – direkt im Anschluß gab es ja ein weiteres Spiel.

Das einzig weiter erwähnenswerte zum ersten Spiel war ein klasse Doppelhalter, der nach Schlußpfiff in Richtung der Birkirkara-Fans gehalten wurde: das Motiv war einer kleiner weinender Junge umrandet von den Vereinsfarben B'karas und der simplen Botschaft „Baby Ultras“. Dafür einen enthusiastischen Applaus und ein aufmunterndes „Weiter So!“


Bereits 10 Minuten nach Spielende begann die 2. Partie des Tages. Logischerweise legten die Qormi-Supporter ihre Zaunfahne in die Kurve als die Regenbogen ihre einsammelten. Das ganze ging ziemlich entspannt vonstatten, Reibereien oder gar Klauversuche konnte ich nicht entdecken.

Ich war nun also in Qormi-Block, der mit ¾ und grobgeschätzten 700-800 Leuten prächtig gefüllt war. Anders als die Regenbogen, die nur ein paar Fanclubshirts umhertrugen, waren sehr viele Qormis mit schwarzgelgestreiften Trikots bekleidet. Im Block der Sliema Wanderers sah ich nur eine Zaunfahne mit der Aufschrift „Sliema and Puttina do matter“. Keine Ahnung, wer oder was Puttina sein soll. Jedenfalls war die Einsicht in den Sliema (bzw. Ex-Birkirkara-) Block sehr eingeschränkt, da auf der anderen Seite der gleichen Tribüne gelegen und mit doofer Pressetribüne dazwischen.

Zu hören war vom Rekordmeister (26 Meisterschaften) auf jeden Fall gar nichts. An der Grenze Sliema/Gzira ist das Hotel, in dem ich die ersten 10 Tage gewohnt habe. Sliema gilt neben Valetta als der prestigeträchtigste Ort Maltas. Alle hassen ihn und seine Einwohner, die Sliemaner (?) sind als Snobs verschrien. Nicht nur, daß sie wohlhabend sind und Privatschulen haben, sie waren auch die 1. und bis heute fast einzigen Malteser, die untereinander Englisch bzw. einen Mix aus Maltesisch und Englisch redeten. Sliema ist quasi eine Halbinsel und neben St.Julians und Valetta die wichtigste Stadt, was Tourismus und Nachtleben angeht. Während Valetta vor allem tagsüber von Urlaubern aufgesucht wird und St.Julians (speziell der Stadtteil Paceville) heftiges Partyleben bietet, ist das neben St.Julians gelegene Sliema eher ein guter Ort für ruhige, entspannte Abende in schöngelegenen Bars.

Die Ortschaft Qormi kenne ich noch nicht, sie ist wohl 5-7 Kilometer südwestlich von meinem Wohnort Pieta (im Landesinneren) gelegen.


Das Spiel jedenfalls ging gut los, es gab von Beginn an auf beiden Seiten mächtig Einsatz und zumindest potenziell gefährliche Situationen. Nach kurzer Zeit wurde es dunkler und das Flutlicht eingeschaltet. Die Qormis stimmten zwar ebenfalls keine Gesänge an, doch nahmen kollektiv am Spielgeschehen teil, was sich an einer eigenartigen und schwer zu beschreibenden Geräuschkulisse äußerte. Das war endlich die Fußballatmosphäre, auf die ich den ganzen Tag gewartet hatte!

Das Spiel war recht packend und die Qormis schienen ihr Team von den Rängen aus immer näher an den Torerfolg zu drücken – doch trotz einiger guter Chancen wollte es nicht gelingen. Ich fühlte mich wohl unter ihnen und ein wenig vereinnahmt von den ständig wechslenden Lärmpegeln samt dem eigenartigen Rhythmus der schnellen Schmährufe gegen den Schiedsrichter und gegnerische Spieler sowie Anfeuerungsrufe für die eigenen Spieler. Ob Maltesisch oder oder Englisch konnte ich meist nicht ausmachen, doch das war auch nicht weiter wichtig.

In die Pause ging es mit 0:0, doch die schwarzgelben wurden von Hunderten mit Applaus in die Kabine geschickt. Ganz ehrlich, sowas ist um einiges mitreißender und authentischer als ein Dauergesang von genausovielen Leuten.


Leider endete dieser Fußballabend für mich ganz unromantisch und gerade, als es richtig aufregend wurde. Kurz nach Anpfiff der 2. Halbzeit mußte ich nach Hause, sodaß ich erst später erfuhr, daß Qormi die Wanderers mit 1:0 besiegt hatte.

Der Taxifahrer, der mich nach Hause fuhr, war Anhänger des FC Valetta und schwärmte – kaum überraschend – vom gestrigen Triumph. Er erzählte mir, daß Valetta die meisten und besten Fans habe. Meine Frage, ob die Leute zum Verein aus ihrer Heimatstadt halten oder sich irgendeinen aussuchen, beantwortete er mit ersterem. „Aber wie kann dann Valetta mit so wenigen Einwohnern die meisten Fans haben?“ wollte ich wissen. „Weißt du, ich bin in Valetta geboren und stolz darauf. Viele Leute haben mal in Valetta gewohnt und sind jetzt woanders. Doch in ihren Herzen ist nur Valetta.“ Na, wenn das so ist...

„Wenn Valetta Meister wird“, prophezeite er, „wird es eine riesige Party geben. Die Fans werden zu Fuß nach Valetta gehen und bis morgens trinken.“ Na, das hört sich doch ganz nett an...


Ich bin jedenfalls froh darüber, daß sich ein paar Malteser – entgegen meinen Befürchtungen – überhaupt für den einheimischen Klubfußball interessieren und nicht nur englischen und italienischen Sport im TV schauen. Mit Qormi habe ich schonmal einen Verein gefunden, für den ich gerne wieder ins Stadion fahre und bin gespannt auf meine erste Begegnung mit dem FC Valetta.




30-Aug

Tarxien R. vs Birkirkara

0-2

Michael Galea, George Mallia

30-Aug

Qormi vs Sliema W.

1-0

Camilo Da Silva Sanvezzo


4.9.09 05:33

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