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Freundschaftsspiel Malta - Georgien

 



12.08.09   20 Uhr

Freundschaftsspiel Malta - Georgien


Etwa eine halbe Stunde vor Anpfiff machte ich mich auf den Weg ins Millenium Stadium, das von jedem eigentlich nur National Stadium genannt wird. Ungefähr 10 km hatte ich von Pieta, meinem Wohnort, nach Ta' Qali zurückzulegen.

Beim Einstieg in den Bus erlebte ich gleich die zweite große Überraschung an diesem Tag. Bereits am Nachmittag war ich (nach 3 Wochen auf Malta) das erste Mal in einem Bus gefahren, in dem tatsächlich kein Glaubensbekenntnis zu sehen war. Kein Jesus, keine Maria – einfach nichts. Wer das für normal hält, dem sei gesagt: ich hatte schon ernsthaft darüber nachgedacht, ob es vielleicht ein nationales Gesetz gibt, das alle öffentlichen Busse mit religiösem Quatsch ausstattet.

Am frühen Abend entpuppte sich – wie bereits angedeutet – ein weiterer Busfahrer als Anarchist. Er widersetzte sich der Gewohnheit der maltesichen Busfahrer, mürrisch und unfreundlich durch die Gegend zu fahren. Auf meine Frage, ob ich mit seinem Bus zum National Stadium gelange, erhielt ich nicht nur eine Antwort, er erklärte sogar, daß ich ein paar Minuten laufen müsse und versprach mir, bescheid zu sagen, wenn ich aussteigen müsse. Gesagt, getan – zudem gab er mir sogar eine kurze Richtungsanweisung mit auf den Weg. Es sind wirklich fast alle Busfahrer ohne jegliche Umgangsformen, ebenso wie die meisten Angestellten, die in Läden arbeiten. Sehr freundlich und hilfsbereit dagegen sind die Leute auf offener Straße, doch die Busfahrer an diesem Tag lösten Verwunderung und einen kleinen Sturm der Begeisterung in mir aus.


Nachdem ich ich die 5 Euro günstige Eintrittskarte gelöst hatte, kam ich gerade rechtzeitig zum Einlaufen der Mannschaften auf der Tribüne an. Das Stadion war mit deutlich unter 1000 Zuschauern (verteilt auf die beiden Geraden) nicht wirklich gut gefüllt – obwohl es gegen den Fußballriesen Georgien ging. Supportmaterialien konnte ich nicht entdecken, immerhin aber eine Art Nationalmannschafts-Fanclub-Shirt, das etwa 100 Leute trugen. Support im Sinne von Gesängen fabrizierten die Malteser nicht, abgesehen von „Malta“-Anfeuerungsrufen (unterlegt mit einem Trommelrhythmus), die dafür aber recht laut ausfielen. Ansonsten reagierten die Zuschauer vor allem auf das Spielgeschehen, was mir persönlich ohnehin besser gefällt, als stumpfes Dauergesinge und die ständige Angst davor, zu verstummen. Pyrotechnik gab es dafür außerhalb des Stadions zu sehen. Nach ca. 30 Minuten wurde in der Nähe eines der unzähligen Feuerwerke abgefackelt. Zwar nicht in völliger Dunkelheit, aber immerhin dämmerte es bereits...

In der ersten Halbzeit passierte auf dem Platz nicht viel. Ein paar Fernschüsse und 2 oder3 halbgefährliche Konter für Malta; Georgien machte das Spiel, ohne sich wirkliche Torcjance herauszuarbeiten. Der Pausenstand von 0:0 dürfte auf maltesicher Seite bereits als kleiner Teilerfolg angesehen worden sein. Die Pause nutzte ich nicht nur zum pissen und Getränkeholen, ich ging auch zu den ungefähr 20 Georgiern, die ohne Blocktrennung auf der gleichen Tribüne waren. Sie bestätigten mir, tatsächlich extra für dieses Spiel angereist zu sein.

Kurz nach Wiederanpfiff erzielten die Mannen um den inzwischen komplett ergrauten Levan Tskitishvili schließlich das erste Tor des Abends – das aber wegen angeblichen Abseits nicht gegeben wurde.

Knapp eine halbe Stunde vor Schluß schließlich gelangte Micheal Mifsud im Zuge eines Konters wiederholt an den Ball. Vor einigen Jahren hat er ein paar Bundesligaspiele für Kaiserslautern absolviert und spielte zuletzt in der 2. englischen Liga. Mifsud wurde als einziger Spieler mit persönlichen Anfeuerungsrufen bedacht und ist hier offenbar eine Art Nationalheld. Jedenfalls konnte er den Ball aus ca. 20 Metern tatsächlich im Tor unterbringen und Jubel auf der Tribüne entfachen.

Im Anschluß zeigten sich die Georgier zwar bemüht, aber ideenlos, und so konnte Mifsud 10 Minuten später aus spitzem Winkel erneut für die kämpfende Heimmannschaft einetzen. Daran änderte sich nichts mehr , Malta fuhr den sage und schreibe 6. Sieg seiner Länderspielhistorie ein.


Getrübt wurde der Sieg in meinen Augen durch das Verhalten der (mehr oder weniger) supportenden Malteser ab der Führung, die wohl etwas mehr als weniger nationalistisch eingestellt sind. Nicht nur, daß sie lauthals und und voller Verachtung ständig „Fuck Georgia“ brüllten – die friedlichen Georgier waren 10 Meter entfernt im selben Block – über soetwas kann man ja hinwegsehen... Etwas abstoßender dagegen fand ich den Gesang, der nach dem 2. Tor einsetzte: (wenn ich es richtig verstanden habe) skandierten eine Handvoll Malteser „Jamie, you are not Maltese“. Gemeint war der defensive Mittelfeldspieler des FC Valetta Jamie Pace, der offensichtlich nicht die Hautfarbe hat, die sich die Herren für einen Malteser wünschen. Dabei kann man Malta geographisch und ethnisch-kulturell durchaus dem afrikanischen Kontinent zuordnen, aber das wiederum hören die Neu-EU-Mitglieder nicht so gerne.


Wie dem auch sei, ich habe einen Tag voller Überraschungen erlebt. Glücklicherweise mußte ich das Taxi nach Pieta nicht allein zahlen: 3 Georgier, die auf Malta wohnen und arbeiten, wollten in die selbe Richtung; nach einem kurzen Getränk mit ihnen in Sliema fuhr ich mit dem Bus nach Hause. Um mich an den Busfahrer zu erinnern war ich wohl zu betrunken.

 

MALTA

Mario Muscat (46' Andrew Hogg), Alex Muscat, Ian Azzopardi (60' Clayton Failla), Brian Said, Andrei Agius, Gilbert Agius (90' Ryan Fenech), Michael Mifsud, Andrew Cohen (83' Shaun Bajada), Andre Schembri (46' Ivan Woods), Kevin Sammut (60' Roderick Briffa), Jamie Pace.

GEORGIA

Giorgi Lomaia, Guram Kashia, Mate Ghvinianidze (82' Temur Gongadze), Levan Tskitishvili (64' David Devdariani), Levan Khmaladze, Vladimer Dvalishvili, Levan Kenia, Zurab Khizanishvili, George Seturidze (68' Giorgi Merebashvili), Levan Kobiashvili, George Popkhadze (85' Amiran Sanaia).


Tore:

64' Michael Mifsud
73' Michael Mifsud

 



 

4.9.09 00:51

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