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Malta - Kap Verde 4.9.2009

 

4.9.2009 20:30

Freundschaftsspiel Malta – Kap Verde

Millenium Stadium



Nach dem 2:0-Sieg gegen Georgien galt es nun, sich mit den Fußballern der Kapverdischen Inseln zu messen. Der jüngste Erfolg der Maltesischen Auswahl schien Glaube an die Fußballerische Stärke aufkommen zu lassen, zumindest bei verschiedensten Buchmachern: nicht nur mein Arbeitgeber favorisierte die Heimmannschaft.

Die Anfahrt zum Stadion verlief ausnahmsweise mal völlig unspektakulär. Ich stieg in den richtigen Bus ein und als ich ausstieg, war das in der bereits eingetretenen Dunkelheit hell erleuchtete Stadion in Sichtweite – so verschönerte ein erhabener Anblick meinen 20-minütigen Fußweg durch eine Landschaft voller Ödnis.


Nichtmal 500 Zuschauer fanden sich ein – ein etwas traurige Kulisse. Der Block, dem die 2 Handvoll Supporter voranstehen, war spärlich gefüllt, sodaß es nichtmal zu erbaulichen „Malta“-Anfeuerungsrufen reichte. Doch die Fans hatten schlechter Stimmung vorgesorgt – mit gleich 4 Trommeln und einem Trompeter traten sie an. In Verbindung mit dem schlechten, langweiligen Spiel wäre mir das ewige Gedudel bekannter Fangesänge mächtig auf die Eier gegangen, doch zum Glück fand ich heraus, daß Jim Beam im Stadion verfügbar war.

Zwar gehört dieser nicht zu meinen besten alkoholischen Freunden und normalerweise ziehe ich ihm eine ganze Reihe anderer Alkoholika vor – doch angesichts meiner Bekanntschaft mit deutschen Stadien war das natürlich purer Luxus


Zum Spiel selbst ist schnell alles wichtige gesagt. 15. Minute Elfmeter, zack drin, 40. Minute zack, 2:0. Das 2. Tor habe ich nicht gesehen, da ich gerade neue Mische holte. Kap Verde drückte das ganze Spiel über und ließ Malta kaum mal gefährlich vors Tor kommen. Vielleicht kommen die Malteser mit der Favoritenrolle zuhause nicht zurecht, vielleicht ist die noch recht neue Nationallmannschaft der afrikanischen Inselgruppe stärker als sie eingeschätzt wird, oder vielleicht hatten Mifsud un Co einfach keine Lust. Ach ja, es waren offensichtlich Kap Verdische Zuschauer im Stadion. Zumindest hing eine Zaunfahne auf der gegenüberliegenden Tribühne mit "Cabo Verde"-Aufschrift und ein paar Menschen dahinter und drumherum.

In der 2. Halbzeit spürte ich mehr und mehr, wie sich mein Gesicht in Richtung Alkohol veränderte und ich versuchte, mein dämliches Grinsen soweit wie möglich zu unterdrücken. Direkt nach dem Spiel verließ ich das Stadion Richtung Buggiba, wo ein Kollege eines der seltenen maltesischen Punkkonzerte veranstaltete.

Wie es der Zufall so will, gestaltete sich die etwa 15-minütige Taxifahrt recht interessant. Ich kam mit dem Taxifahrer über – na was wohl – Fußball ins Gespräch und konnte der Unterhaltung glücklicherweise so gerade noch folgen. Es stellte sich heraus, daß mein Chauffeur vor ein paar Jahren in irgendeiner recht wichtigen Funktion bei den Hamrun Spartans fungiert hatte. Diese wurden zuletzt Anfang der 90er-Jahre Meister und sind frisch aus der ersten Liga abgestiegen.

Er erzählte, daß ein guter Teil des Etats jedes Vereins vom Präsidenten bestritten wird. In dieser Hinsicht sehe es bei den Spartans derzeit nicht so gut aus. Zudem hätten sie in letzter Zeit viel Geld dafür aufgewendet, ein eigenes Stadion zu bauen. Daß sie ihre Heimspiele in der eigenen Stadt austragen, macht sie durchaus zu etwas besonderem.

Als ich ihm erzählte, daß ich in der Nachbarort Pieta wohne, reagierte er reserviert. Die Spartans haben, erzählt er, eine traditionelle Rivalität zu den Pieta Hotspurs, die ebenfalls in der zweiten Liga spielen. Oder momentan eher nicht spielen.

„Ich hoffe, wir rücken nicht in die erste Liga nach. Wir würden definitiv direkt wieder absteigen, darauf sind wir nicht vorbereitet.“ Der Hintergrund dieser Info sei nun kurz erläutert: vor einigen Wochen kam heraus, daß die Vittoriosa Stars, als Tabellenzweiter in die 1. Liga aufgestiegen, offenbar bei einem Spiel der letzten Saison Teile der gegnerischen Mannschaft bestochen hatten. Daraufhin wurden sie, obwohl die Saison bereits begonnen hatte, kurzerhand in die zweite Liga rückversetzt. Soweit so gut, doch gleichzeitig kam der gleiche Vorwurf gegen den FC Marsaxlokk auf.

Da hatte der Fußballverband die Faxen wohl dicke und der Spielbetrieb wurde bis auf weiteres ausgesetzt. Vor ein paar Tagen nun wurde die Entscheidung getroffen, daß Marsaxlokk ebenfalls in der zweiten Liga weiterspielen muß. Doch bevor die Spiele weitergehen können, muß dieses Urteil bestätigt werden, außerdem stellt sich die Frage, wer in die BOV Premier League nachrücken darf und auch will. Die Hamrun Spartans scheinen, wie der Taxifahrer andeutete, einer erneuten Teilnahme an der höchsten Spielklasse eher abgeneigt. Vielleicht kommen ja die Pieta Hotspurs in Frage, immerhin sind sie als Drittplatzierter nur knapp am Aufstieg vorbeigerutscht. Ebenfalls in die zweite Liga abgestiegen ist Msida/Saint Joseph (Msida beginnt zirka 30 Meter vor meiner Haustür). Wie auch immer, ich bin gespannt, wann und mit wem in welcher Liga der Spielbetrieb fortgesetzt wird.

Wem das alles bereits etwas durcheinander erscheint, dem habe ich eine weitere Kuriosität zu berichten. Am 20. September wird auf jeden Fall wieder Ligafußball gespielt: ob auf Malta steht noch nicht fest, auf jeden Fall aber in Malta. Ich habe gut gestaunt, als ich feststellte, daß Gozo ein eigenes Ligasystem hat. Gozo ist eine ungefähr 30.000 Einwohner zählende Insel und mit einem schnellen Boot nur einige Minuten von der Hauptinsel entfernt. Dennoch hat das Inselchen nicht nur eine 1. und eine 2. Spielklasse, sondern diese werden von einem eigenen Fußballverband durchgeführt. Das muß man sich mal vorstellen: Malta hat nur 400.000 Einwohner, aber 2 Fußballverbände.

Doch damit der Verwirrung nicht genug: dem ganzen die Krone auf setzt der Fakt, daß der Gozotanische Fußball nicht nur aus den 2 genannten Ligen besteht, sondern es darüberhinaus einen FC Gozo gibt, der an der Maltesischen Meisterschaft teilnimmt. Derzeit spielt er drittklassig, war aber in der Saison 1999/2000 sogar ein Jahr in der ersten Maltesischen Liga.

Da das alles doch recht kompliziert ist für mein einfaches Deutsches Fußballgehirn, fragte ich einen maltesischen Kollegen nach Erklärungen. Dieser konnte mir immerhin bestätigen, daß alles, was ich gerade geschildert habe, tatsächlich so stimmt. Aus welchen Spielern sich der FC Gozo genau zusammensetzt, konnte er mir auch nicht sagen. Er vermutet aber, daß Gozo ein Allstar-Team derjenigen ist, die bei einem Gozotanischen Verein gemeldet sind und irgendeinen darüberhinausgehenen „Beweis“ dafür erbringen können, Gozotaner zu sein – so eine Art Nationalmannschaft also, nur in kleiner. Sollte aber ein Gozotanischer Spieler so gut sein, daß er für die Maltesische Auswahl spielen kann, ist das wiederum kein Problem.

Der Ligafußball ist auf jeden Fall interessanter und vielschichtiger als ich angenommen hatte. Es gibt noch viel zu entdecken. Außerdem werde ich dem skandalösen Umstand nachgehen, daß der Gozotanische Fußballverband keinen Verein zu den UEFA-Turnieren entsendet.

Das Punkkonzert war übhrigens auch super. Headliner war die Band Hausvabot und es bescherte mir nicht nur jede Menge Spaß und Fun, sondern endlich auch meinen zweiten Filmriß nach fast 2 Monaten auf Malta.

1 Kommentar 13.9.09 04:02, kommentieren

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Tarxien - Birkirkara und Sliema - Qormi

 

30.09.2009

Tarxien Rainbows – FC Birkirkara

Sliema Wanderers - Qormi



An diesem schönen und heißen Sommerabend standen (wie fast immer) 2 Spiele der BOV Premier League auf dem Programm. Am Tag zuvor sorgte nicht die sponsorende Bank of Valetta für Furore, sondern der Fußballklub derselben Stadt.

Leider fand das Haßderby zwischen dem FC Valetta und dem FC Floriana ohne mich statt, da ich arbeiten mußte. Valetta hat zwar nur rund 6000 Einwohner, ist aber die Hauptstadt (und nebenbei die einzige Stadt mit einer richtigen Shoppingmeile). Floriana ist die Nachbarstadt, die von den Hauptstädtern anscheinend recht despektierlich behandelt wird – als Hauptstadt ist man schließlich der einzig legitime Repräsentant des Landes und wenn dann der Nachbar daherkommt und meint, er wäre genausogut, präsentiert man das überheblich-müde Lächeln, das man für solche Zwecke einstudiert hat. Aber daß der kleine Nachbar sich dann herausnimmt, den FC Valetta fußballerisch teilweise zu überflügeln, und mit 25:19 deutlich mehr Meistertitel innezuhaben, geht mal gar nicht. Höchste Zeit also für Valetta, die Verhältnisse zurechtzurücken.


Dies geschah dem FC Valetta recht eindrucksvoll. Es setzte eine deftige 0:6-Klatsche für Floriana. Der FC Valetta, der zuvor sogar in der 1. Euro-League-Quali-Runde das isländische Keflavik ausgeschaltet hatte, versprüht nunmehr samt dem alternden Superstar Jordi Cruyff nicht nur den angemessenen internationalen Flair, sondern zieht auch national alle Aufmersamkeit auf sich.


Dementsprechend fuhr ich diesmal von Valetta aus zum Stadion. Da mehrere Buslinien in die Nähe des Stadions fahren, fragte ich erneut einen Busfahrer nach dem National Stadium. In diesem werden fast alle Erstligaspiele ausgetragen. Eine Antwort erhielt ich zwar nicht, doch etwa 5 Fahrgäste fingen daraufhin auf maltesisch eine lebhafte Diskussion darüber an, ob bzw. wie ich zum Stadion gelangen könne. (Dazu muß man wissen, daß in Valetta die Busse starten und demnach noch genügend Zeit war, bis der Bus losfuhr). Einmal mehr bestätigte sich der verblüffende Freundlichkeitsunterschied zwischen Angestellten und Passanten.

Ein älterer Mann nahm sich meinem Anliegen an und bedeutete mir, daß ich diesen Bus nehmen könne. Stolz erzählte er vom gestrigen glorreichen Sieg und der Demütigung des Nachbarn und als wir durch Floriana fuhren, zeigte er aus dem Fenster. Ich stimmte seiner Bemerkung „Look, what an ugly place – pfff“ spontan zu. Meine Vermutung, daß dies sicher weniger an den Einwohnern, sondern eher an der Geldervergabe der politischen Institutionen liegt, behielt ich lieber für mich. Den Rest der Fahrt über erzählte er mir von seinen 3 Jahren in Mühlheim an der Ruhr (wie sauber es doch in Deutschland ist) und zählte mir begeistert einen 70er-Jahre-Spieler nach dem anderen von „Bayern Munich“ auf. Ausführliche Antworten ließ er nicht zu, er war viel zu aufgeregt, einen Deutschen zu treffen. Entsprechend sagte ich einfach hin und wieder „Yes, I know Franz Beckenbauer“ oder auch „Yes, I know Gerd Müller“.

Zum Stadion kam ich dann leider erst 15 Minuten nach Anpfiff, sodaß ich den Führungstreffer für Birkirkara verpaßt habe. Birkirkara ist die Stadt, in der ich arbeite und liegt im Landesinneren. Obwohl mit knapp über 20.000 Einwohnern die größte Stadt, ist es kein Ort, in dem man gern eine Nacht verbringt. Wenn ich spätabends von der Arbeit nach Hause laufe, ist die Atmosphäre wohl mit dem Prädikat „tot“ am besten umschrieben. Tarxien ist ebenfalls eine relativ große Stadt, die ich bislang nicht kennengelernt habe. Sie liegt ca. 10 km südwestlich meines Wohnorts hat hat ebenfalls keinen Meereszugang.

Anders als beim Länderspiel gab es Blocktrennung und ich landete im Bereich der Regenbogen. Diese hatten eine riesige und eine kleine Zaunfahne auf den ansonsten ungenutzen Kurvenrängen platziert. Ein paar riesige Schwenker standen auch herum, doch außer zum Einlaufen der Mannschaften zur 2. Halbzeit sah ich sie nicht im Einsatz.

Von Birkirkara vernahm ich nur eine mittelgroße Schwenkfahne und einmal spärliche Anfeuerungsrufe. Gesänge im eigentlichen Sinn gab der gutgefüllten Regenbogenblock auch nicht von sich, dafür aber zeitweise stakkatomäßige Anfeuerungsrufe. Verwundert verstand ich in diesen lange Zeit „Kara!“, doch später deutete ich die Rufe in „Come on!“ um.

Das Spiel selbst war langweilig. Tarxien versuchte, zu drücken, doch kam nicht zu Torchancen, und Konter ließen sie auch nicht zu. In der 70. Minute trafen sie dann doch ins Tor, doch aus irgendeinem Grund wurde es nicht gegeben. Die Anhänger schienen spätestens von da an entmutigt und kurz vor Schluß machte Birkirkara den Sack zu; das Spiel endete 2:0 für touristenarme Stadt. Auch ich hatte schon seit der Pause mit dem Spiel abgeschlossen, da ich mich für keines der Teams erwärmen konnte. Voller Hoffnung stellte ich fest, daß sich der Block während der 2. Halbzeit mehr und mehr mit schwarzgelb füllte – direkt im Anschluß gab es ja ein weiteres Spiel.

Das einzig weiter erwähnenswerte zum ersten Spiel war ein klasse Doppelhalter, der nach Schlußpfiff in Richtung der Birkirkara-Fans gehalten wurde: das Motiv war einer kleiner weinender Junge umrandet von den Vereinsfarben B'karas und der simplen Botschaft „Baby Ultras“. Dafür einen enthusiastischen Applaus und ein aufmunterndes „Weiter So!“


Bereits 10 Minuten nach Spielende begann die 2. Partie des Tages. Logischerweise legten die Qormi-Supporter ihre Zaunfahne in die Kurve als die Regenbogen ihre einsammelten. Das ganze ging ziemlich entspannt vonstatten, Reibereien oder gar Klauversuche konnte ich nicht entdecken.

Ich war nun also in Qormi-Block, der mit ¾ und grobgeschätzten 700-800 Leuten prächtig gefüllt war. Anders als die Regenbogen, die nur ein paar Fanclubshirts umhertrugen, waren sehr viele Qormis mit schwarzgelgestreiften Trikots bekleidet. Im Block der Sliema Wanderers sah ich nur eine Zaunfahne mit der Aufschrift „Sliema and Puttina do matter“. Keine Ahnung, wer oder was Puttina sein soll. Jedenfalls war die Einsicht in den Sliema (bzw. Ex-Birkirkara-) Block sehr eingeschränkt, da auf der anderen Seite der gleichen Tribüne gelegen und mit doofer Pressetribüne dazwischen.

Zu hören war vom Rekordmeister (26 Meisterschaften) auf jeden Fall gar nichts. An der Grenze Sliema/Gzira ist das Hotel, in dem ich die ersten 10 Tage gewohnt habe. Sliema gilt neben Valetta als der prestigeträchtigste Ort Maltas. Alle hassen ihn und seine Einwohner, die Sliemaner (?) sind als Snobs verschrien. Nicht nur, daß sie wohlhabend sind und Privatschulen haben, sie waren auch die 1. und bis heute fast einzigen Malteser, die untereinander Englisch bzw. einen Mix aus Maltesisch und Englisch redeten. Sliema ist quasi eine Halbinsel und neben St.Julians und Valetta die wichtigste Stadt, was Tourismus und Nachtleben angeht. Während Valetta vor allem tagsüber von Urlaubern aufgesucht wird und St.Julians (speziell der Stadtteil Paceville) heftiges Partyleben bietet, ist das neben St.Julians gelegene Sliema eher ein guter Ort für ruhige, entspannte Abende in schöngelegenen Bars.

Die Ortschaft Qormi kenne ich noch nicht, sie ist wohl 5-7 Kilometer südwestlich von meinem Wohnort Pieta (im Landesinneren) gelegen.


Das Spiel jedenfalls ging gut los, es gab von Beginn an auf beiden Seiten mächtig Einsatz und zumindest potenziell gefährliche Situationen. Nach kurzer Zeit wurde es dunkler und das Flutlicht eingeschaltet. Die Qormis stimmten zwar ebenfalls keine Gesänge an, doch nahmen kollektiv am Spielgeschehen teil, was sich an einer eigenartigen und schwer zu beschreibenden Geräuschkulisse äußerte. Das war endlich die Fußballatmosphäre, auf die ich den ganzen Tag gewartet hatte!

Das Spiel war recht packend und die Qormis schienen ihr Team von den Rängen aus immer näher an den Torerfolg zu drücken – doch trotz einiger guter Chancen wollte es nicht gelingen. Ich fühlte mich wohl unter ihnen und ein wenig vereinnahmt von den ständig wechslenden Lärmpegeln samt dem eigenartigen Rhythmus der schnellen Schmährufe gegen den Schiedsrichter und gegnerische Spieler sowie Anfeuerungsrufe für die eigenen Spieler. Ob Maltesisch oder oder Englisch konnte ich meist nicht ausmachen, doch das war auch nicht weiter wichtig.

In die Pause ging es mit 0:0, doch die schwarzgelben wurden von Hunderten mit Applaus in die Kabine geschickt. Ganz ehrlich, sowas ist um einiges mitreißender und authentischer als ein Dauergesang von genausovielen Leuten.


Leider endete dieser Fußballabend für mich ganz unromantisch und gerade, als es richtig aufregend wurde. Kurz nach Anpfiff der 2. Halbzeit mußte ich nach Hause, sodaß ich erst später erfuhr, daß Qormi die Wanderers mit 1:0 besiegt hatte.

Der Taxifahrer, der mich nach Hause fuhr, war Anhänger des FC Valetta und schwärmte – kaum überraschend – vom gestrigen Triumph. Er erzählte mir, daß Valetta die meisten und besten Fans habe. Meine Frage, ob die Leute zum Verein aus ihrer Heimatstadt halten oder sich irgendeinen aussuchen, beantwortete er mit ersterem. „Aber wie kann dann Valetta mit so wenigen Einwohnern die meisten Fans haben?“ wollte ich wissen. „Weißt du, ich bin in Valetta geboren und stolz darauf. Viele Leute haben mal in Valetta gewohnt und sind jetzt woanders. Doch in ihren Herzen ist nur Valetta.“ Na, wenn das so ist...

„Wenn Valetta Meister wird“, prophezeite er, „wird es eine riesige Party geben. Die Fans werden zu Fuß nach Valetta gehen und bis morgens trinken.“ Na, das hört sich doch ganz nett an...


Ich bin jedenfalls froh darüber, daß sich ein paar Malteser – entgegen meinen Befürchtungen – überhaupt für den einheimischen Klubfußball interessieren und nicht nur englischen und italienischen Sport im TV schauen. Mit Qormi habe ich schonmal einen Verein gefunden, für den ich gerne wieder ins Stadion fahre und bin gespannt auf meine erste Begegnung mit dem FC Valetta.




30-Aug

Tarxien R. vs Birkirkara

0-2

Michael Galea, George Mallia

30-Aug

Qormi vs Sliema W.

1-0

Camilo Da Silva Sanvezzo


1 Kommentar 4.9.09 05:33, kommentieren

Freundschaftsspiel Malta - Georgien

 



12.08.09   20 Uhr

Freundschaftsspiel Malta - Georgien


Etwa eine halbe Stunde vor Anpfiff machte ich mich auf den Weg ins Millenium Stadium, das von jedem eigentlich nur National Stadium genannt wird. Ungefähr 10 km hatte ich von Pieta, meinem Wohnort, nach Ta' Qali zurückzulegen.

Beim Einstieg in den Bus erlebte ich gleich die zweite große Überraschung an diesem Tag. Bereits am Nachmittag war ich (nach 3 Wochen auf Malta) das erste Mal in einem Bus gefahren, in dem tatsächlich kein Glaubensbekenntnis zu sehen war. Kein Jesus, keine Maria – einfach nichts. Wer das für normal hält, dem sei gesagt: ich hatte schon ernsthaft darüber nachgedacht, ob es vielleicht ein nationales Gesetz gibt, das alle öffentlichen Busse mit religiösem Quatsch ausstattet.

Am frühen Abend entpuppte sich – wie bereits angedeutet – ein weiterer Busfahrer als Anarchist. Er widersetzte sich der Gewohnheit der maltesichen Busfahrer, mürrisch und unfreundlich durch die Gegend zu fahren. Auf meine Frage, ob ich mit seinem Bus zum National Stadium gelange, erhielt ich nicht nur eine Antwort, er erklärte sogar, daß ich ein paar Minuten laufen müsse und versprach mir, bescheid zu sagen, wenn ich aussteigen müsse. Gesagt, getan – zudem gab er mir sogar eine kurze Richtungsanweisung mit auf den Weg. Es sind wirklich fast alle Busfahrer ohne jegliche Umgangsformen, ebenso wie die meisten Angestellten, die in Läden arbeiten. Sehr freundlich und hilfsbereit dagegen sind die Leute auf offener Straße, doch die Busfahrer an diesem Tag lösten Verwunderung und einen kleinen Sturm der Begeisterung in mir aus.


Nachdem ich ich die 5 Euro günstige Eintrittskarte gelöst hatte, kam ich gerade rechtzeitig zum Einlaufen der Mannschaften auf der Tribüne an. Das Stadion war mit deutlich unter 1000 Zuschauern (verteilt auf die beiden Geraden) nicht wirklich gut gefüllt – obwohl es gegen den Fußballriesen Georgien ging. Supportmaterialien konnte ich nicht entdecken, immerhin aber eine Art Nationalmannschafts-Fanclub-Shirt, das etwa 100 Leute trugen. Support im Sinne von Gesängen fabrizierten die Malteser nicht, abgesehen von „Malta“-Anfeuerungsrufen (unterlegt mit einem Trommelrhythmus), die dafür aber recht laut ausfielen. Ansonsten reagierten die Zuschauer vor allem auf das Spielgeschehen, was mir persönlich ohnehin besser gefällt, als stumpfes Dauergesinge und die ständige Angst davor, zu verstummen. Pyrotechnik gab es dafür außerhalb des Stadions zu sehen. Nach ca. 30 Minuten wurde in der Nähe eines der unzähligen Feuerwerke abgefackelt. Zwar nicht in völliger Dunkelheit, aber immerhin dämmerte es bereits...

In der ersten Halbzeit passierte auf dem Platz nicht viel. Ein paar Fernschüsse und 2 oder3 halbgefährliche Konter für Malta; Georgien machte das Spiel, ohne sich wirkliche Torcjance herauszuarbeiten. Der Pausenstand von 0:0 dürfte auf maltesicher Seite bereits als kleiner Teilerfolg angesehen worden sein. Die Pause nutzte ich nicht nur zum pissen und Getränkeholen, ich ging auch zu den ungefähr 20 Georgiern, die ohne Blocktrennung auf der gleichen Tribüne waren. Sie bestätigten mir, tatsächlich extra für dieses Spiel angereist zu sein.

Kurz nach Wiederanpfiff erzielten die Mannen um den inzwischen komplett ergrauten Levan Tskitishvili schließlich das erste Tor des Abends – das aber wegen angeblichen Abseits nicht gegeben wurde.

Knapp eine halbe Stunde vor Schluß schließlich gelangte Micheal Mifsud im Zuge eines Konters wiederholt an den Ball. Vor einigen Jahren hat er ein paar Bundesligaspiele für Kaiserslautern absolviert und spielte zuletzt in der 2. englischen Liga. Mifsud wurde als einziger Spieler mit persönlichen Anfeuerungsrufen bedacht und ist hier offenbar eine Art Nationalheld. Jedenfalls konnte er den Ball aus ca. 20 Metern tatsächlich im Tor unterbringen und Jubel auf der Tribüne entfachen.

Im Anschluß zeigten sich die Georgier zwar bemüht, aber ideenlos, und so konnte Mifsud 10 Minuten später aus spitzem Winkel erneut für die kämpfende Heimmannschaft einetzen. Daran änderte sich nichts mehr , Malta fuhr den sage und schreibe 6. Sieg seiner Länderspielhistorie ein.


Getrübt wurde der Sieg in meinen Augen durch das Verhalten der (mehr oder weniger) supportenden Malteser ab der Führung, die wohl etwas mehr als weniger nationalistisch eingestellt sind. Nicht nur, daß sie lauthals und und voller Verachtung ständig „Fuck Georgia“ brüllten – die friedlichen Georgier waren 10 Meter entfernt im selben Block – über soetwas kann man ja hinwegsehen... Etwas abstoßender dagegen fand ich den Gesang, der nach dem 2. Tor einsetzte: (wenn ich es richtig verstanden habe) skandierten eine Handvoll Malteser „Jamie, you are not Maltese“. Gemeint war der defensive Mittelfeldspieler des FC Valetta Jamie Pace, der offensichtlich nicht die Hautfarbe hat, die sich die Herren für einen Malteser wünschen. Dabei kann man Malta geographisch und ethnisch-kulturell durchaus dem afrikanischen Kontinent zuordnen, aber das wiederum hören die Neu-EU-Mitglieder nicht so gerne.


Wie dem auch sei, ich habe einen Tag voller Überraschungen erlebt. Glücklicherweise mußte ich das Taxi nach Pieta nicht allein zahlen: 3 Georgier, die auf Malta wohnen und arbeiten, wollten in die selbe Richtung; nach einem kurzen Getränk mit ihnen in Sliema fuhr ich mit dem Bus nach Hause. Um mich an den Busfahrer zu erinnern war ich wohl zu betrunken.

 

MALTA

Mario Muscat (46' Andrew Hogg), Alex Muscat, Ian Azzopardi (60' Clayton Failla), Brian Said, Andrei Agius, Gilbert Agius (90' Ryan Fenech), Michael Mifsud, Andrew Cohen (83' Shaun Bajada), Andre Schembri (46' Ivan Woods), Kevin Sammut (60' Roderick Briffa), Jamie Pace.

GEORGIA

Giorgi Lomaia, Guram Kashia, Mate Ghvinianidze (82' Temur Gongadze), Levan Tskitishvili (64' David Devdariani), Levan Khmaladze, Vladimer Dvalishvili, Levan Kenia, Zurab Khizanishvili, George Seturidze (68' Giorgi Merebashvili), Levan Kobiashvili, George Popkhadze (85' Amiran Sanaia).


Tore:

64' Michael Mifsud
73' Michael Mifsud

 



 

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